Es gibt ein richtiges Kleben im Falschen

Während unsere Gesellschaft immer tiefer in die Klimakatastrophe steuert, gehen uns ein paar junge Menschen gehörig auf die Nerven. Sie zwingen uns, innezuhalten und zu fragen: Wann tun wir endlich genug?

 

Ein Spiegel-Gastbeitrag des Peng!-Kollektivs

 

Es sind diese Momente, auf die man später zurückschaut und bei denen alle sagen: Es hat sich doch abgezeichnet, dass das kommen würde. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die multiplen Krisen, die Proteste: Na klar musste es zum großen Umdenken kommen. Aus der Retrospektive ist jede große gesellschaftliche Umwälzung »ganz logisch«, sei es die deutsche Wende oder der arabische Frühling. Aber auch dort waren es lange Zeit nur wenige, die daran glaubten, die aktiv daran arbeiteten.

So ist es auch jetzt. Vielen ist klar, dass wir auf Grund steuern. Doch sie sind im Alltag eingespannt, es gibt kaum Zeit, sie schauen weg. Weil Ruhe, Mut und Kraft fehlen, ruhen sie sich aus, klicken Amazon, klicken Urlaubsflug. Sie wissen, dass das nicht reichen wird. Wer sich nicht ertappt fühlt, werfe die erste Lithium-Batterie.

Doch der Wind dreht sich langsam. Es werden immer mehr, die Verständnis für die Early Adopters der Letzten Generation haben. Auf Parties, in Kommentaren, der Applaus wird lauter. Im Livestream ihrer Flug-Blockade hörten wir den Sicherheitsmann sagen »Ich hab doch selbst zwei Kinder, aber was soll ich denn machen?« Das Wissen ist da, die Strategien nicht.

Doch dann gibt es auch die, die alle einsperren lassen wollen. Sie jaulen, sie schimpfen, sie stöhnen. Es gebe unternehmerische Lösungen, sagt die Wirtschaft. Wir können den Status Quo erhalten, sagt die Politik. Es ist lächerlich, sagt der Stolz.

Es ist was es ist,
sagen sie vielleicht,
wenn sich ihr eigenes Kind
an den BMW-Massage-Sitz klebt.

Sie lassen sich nicht umarmen.

Was der Aufstand der Letzten Generation gerade macht, ist genial. Je mehr sie stören, desto mehr fühlen wir uns ertappt. Die erste Reaktion war Abwehr, damit wir weiter verdrängen können. Und bei jeder Aktion stieg die Empörung. Jetzt sind sie da. Kartoffelbrei. Auto im Stau. Licht an. Musik aus. Wir müssen reden: Die Aktionen zwingen uns zu einer Reaktion.

Ihre Interventionen lassen sich nicht einhegen und mit Schulterklopfen ignorieren. Sie lassen sich nicht umarmen und beiseiteschieben. Sie reiben uns so lange mit dem Ernst der Lage ein, bis wir ihn verstanden haben. Die Letzte Generation will nicht geliebt werden, sie will uns rütteln und schütteln bis nicht anders geht, als sich der Realität zu stellen.

Sie verschmelzen ihre Körper mit den Pflastersteinen, anstatt sie nach uns zu schmeißen. Sie beziehen sich auf Verfassung und Stand der Forschung, anstatt mit dem System zu brechen. Sie setzen also die volle Härte des Rechtsstaats und der Wissenschaft ein, entgegen der Ideologie der Politik. Und am Ende zwingen sie uns zur Empathie: wir müssen uns bücken, nach Lösemittel zu suchen. Innehalten, egal was wir gerade tun.

Sie werden nicht aufhören, egal wie übel die Verleumdungen, egal wie hoch die Strafen. Sie zwingen uns zu fragen: Was genau tust du, um diese ständig steigenden Emissionen zu stoppen?

Bis die Angestellte
im Finanzministerium
sich eines Tages fragt,
ob sie die internen Geheimpapiere,
die unlauteren Vereinbarungen
mit der fossilen Wirtschaft
an 30 Redaktionen schickt.

Sie geben ihrem Leben eine Bedeutung.

Das bisschen Kleber, das bisschen Farbe in einem Feuerlöscher, vielleicht irgendwann auch ein bisschen Bungeejumping in den Bundestagsplenarsaal, das gibt unserer Welt wieder Sinn. Es gibt Bedeutung, macht Spaß und ist ein garantiertes Abenteuer. Der Aufstand hat eine der wohl coolsten Antworten im Angebot, wenn es in 20 Jahren heißt: Wo warst DU als wir die Zivilisation vor dem Kollaps gerettet haben?

Ich war bei Mercedes und
habe über Nacht
die Sicherungen aufgegessen.

Ich drückte
den Feueralarm
im Springerverlag.

Ich war Kanzler
ja sogar Klimakanzler
und rief den Notfall aus.

Das macht ihre Aktionen so schön. Sie zeigen, was es heißt, nicht korrumpierbar zu sein, ohne doppelten Boden. Sie sind völlig ausgeliefert – der Strafverfolgung und dem öffentlichen Hass. Das ist ein krasser Gegensatz zu der von Lobbyismus und Machterhalt geformten Verschleppung in der professionellen Politik. Performativ ist es die Verkörperung der regierten Subjekte: Als wenn die Bürger bei Kafka, mit einer eigenen Botschaft, verzweifelt den Kaiser suchten, der sich in der Architektur der Herrschaft aufgelöst hat.

Sie zwingen uns, die Realität anzuerkennen.

Dabei sind sie nicht elitär, alle können mitmachen. Jederzeit, überall. Es ist so lustig, wie sie autoritäre Charakter auf die Palme bringen – Friedrich Merz, Alexander Dobrindt, Omid Nouripour oder Nancy Faeser. Wie in der Philharmonie alle »Oooh Neeein« rufen, wenn sie ihren geliebten Beethoven hören wollen, aber da wieder jemand am Notenständer klebt. Die Letzte Generation kann man nicht umarmen, wie eine bunte Schüler:innen-Demo. Man kann ihnen nicht für ihr Engagement danken und dann einfach weitermachen.

Man kann
sich festkleben
ans Pult
im Bundestag.

Die Letzte Generation zwingt uns, unsere verdrängte Fantasie einer verstörenden Zukunft hervorzuholen. Sie beißt uns in die Hand, die sich im Lenkrad eines »Weiter so« festkrallt. Sie fordern einen Strukturwandel, aber auch Kleinigkeiten, die eine Mehrheit bereits gefordert hat, wie 9-Euro-Ticket und Tempolimit. Demokratische Trippelschritte. Und wieder fühlen sich alle ertappt, die sagen, es würde reichen.

Die Frage der Letzten Generation ist metaphorisch und konkret zugleich: Wenn du nicht klebst, was tust du dann? Was tust du, damit wir genug tun?

 

Foto von Lina Eichler, (CC BY 2.0 Lizenz)

Alle News zu Peng & wie ihr NICHTS zu Weihnachten verschenken könnt!

Liebe Penguine, liebe Freund*innen und Mitstreiter*innen,

bei uns ist momentan richtig gute Stimmung, wir werden mehr Penguine und packen vieles an. Damit das funktioniert, brauchen wir eure Hilfe. Konkret: wir brauchen monatliche Spender*innen, die das Rückgrat unserer Arbeit bilden. Und da haben wir uns was überlegt.

Da Weihnachten von kapitalistischem Konsumquatsch übernommen wurde, wollen wir die Liebe wieder einführen und empfehlen euch: Schenkt nichts! Wir bieten euch Geschenkkarten an, auf denen “NICHTS” steht. Verschenkt Verzicht. Unterstützt zivilen Ungehorsam und lustige Aktionen. Wenn ihr bei uns ein Spenden-Abo abschließt und uns eine kurze Mail schreibt, schicken wir euch oder dem*der Beschenkten so eine Karte.

Okay, aber jetzt erstmal zur aktuellen Lage bei Peng.

Was ist bei uns Phase? Und warum brauchen wir eure Unterstützung?

1. Wir entwickelten zusammen mit Ko-Künstler*innen aus der Ukraine eine Aktion, da Deutschland weiterhin den russischen Angriffskrieg finanziert. Die Aktion läuft immer noch, Autobahnschilder werden beklebt, wir organisieren den Protest. Alle Infos dazu hier im Artikel auf unserer Webseite

2. Wir planen neue Aktionen und Interventionen, konkret arbeiten wir zusammen mit dem Rimini Protokoll an einer Aktion zu Amazon. Auch auf das Sterben von flüchtenden Personen im Mittelmeer wollen wir mit einer weiteren Aktion aufmerksam machen, da das Thema leider immer weiter in den Hintergrund gerät. Was das jeweils genau wird, können wir wie immer nicht verraten, aber das wird viel Arbeit.

3. Wir organisieren Schulungen und Weiterbildungen – für Partner*innen und Freund*innen, an Unis und NGOs. Momentan mit einer feministischen Organisation in Indien, die sich zur religiös-nationalistischen Repression im Land verhalten muss.

4.Innerhalb von Peng überdenken wir eigene Strukturen und reflektieren multiple Diskriminierungsverhalten und konkretes Sexismus beförderndes Verhalten. Wir organisieren interne Weiterbildungen, versuchen uns dadurch neue Standards zu setzen und entwickeln Sicherheitsstrukturen.

5. Wir bauen Prozesse und Strukturen, mit denen auch weitere Neue zu Peng stoßen können und wir dabei radikale Formen der künstlerischen und aktionistischen Interventionen lernen und realisieren können, ohne uns ständig auszubrennen. Wir bauen Schutzmechanismen gegen staatliche und naziöse Repression, schaffen einen gesunden Boden, um uns in der Gruppe gut gegenseitig auffangen und stützen zu können.

6. Wir haben unsere Installation Call a Spy wieder ausgestellt, diesmal sogar mit russischen Geheimdienst-Telefonnummern (https://pen.gg/call-a-spy.org). Zusammen mit tollen Künstler*innen wie Ai Wei Wei, Hito Steyerl, Daniel Richter und der !Mediengruppe bitnik setzen wir uns für die Freilassung von Assange ein: https://noisyleaks.space

7. Wir haben ein Plakat an der deutsch-österreichischen Grenze, in Bayrisch Gmain, aufstellen lassen. „Diese Grenze existiert nicht“ stand in verschiedenen Sprachen drauf, „Willkommen in Bayern“ und das ein oder andere offiziell aussehende Emblem. Das mochte man in Bayrisch Gmain leider nicht so gern, nach ein paar Stunden wurde das Plakat schon von Unbekannten abgerissen. Wie Gmain. Hier ein Artikel in der Süddeutschen dazu

8. Wir bauen unsere IT-Infrastruktur aus und teilen sie mit anderen Gruppen, die Hilfe und Unterstützung brauchen. So weit, wie wir Kapazitäten haben.

9. Wir verklagen den Verfassungsschutz, weil wir den Verfassungsschutz verklagen können. Alle Infos dazu hier: https://pen.gg/klage

Wir brauchen eure Unterstützung!

Das ist ne Menge Arbeit und wir arbeiten alle ehrenamtlich. Ja, tatsächlich. Denn wir haben bis heute verbaselt, regelmäßig und professionell zum Spenden aufzurufen. Das war dumm, denn nur so können wir nachhaltige und unabhängige Arbeit garantieren. Momentan sammeln wir ca 1000 Euro im Monat durch monatliche Spenden ein, was nur ein paar Grundkosten deckt.

Bitte helft uns, das zu ändern. Erzählt es rum, überzeugt eure Freund*innen und Eltern, dass wir kleine Gruppen mit großem Impact für radikale Demokratie brauchen. Dass wir (selbstironische, humorvolle und) fröhlich-radikale Kunst brauchen, die voller Elan für soziale und ökologische Gerechtigkeit kämpft. Klingt kitschig, ist aber so

Helft Peng. Verschenkt eine Mitgliedschaft zu Weihnachten oder auch einfach so. Jede monatliche Spende stärkt uns den Rücken. Eine “Nichts”-Postkarte wäre eine tolle Möglichkeit. Einfach hier anmelden und per Email Bescheid geben, dass ihr eine Nichts-Postkarte wollt und an welche Adresse: https://pen.gg/join

Wir haben noch viel vor. Und danken euch von ganzem Herzen.

Happy Hanukkah!
Eure Peng!

Werber*innen und die Verantwortung für die AfD

Zwei Werber kritisieren den Angriff vom Peng Kollektiv und schreiben dabei von Verantwortung. Es scheint eine Berufskrankheit zu sein: sie nutzen das Wort als reine Worthülse. Eine Replik des Peng Kollektivs selbst.

Face it: die Werbebranche ist mitverantwortlich für das Aufkommen der neuen Rechten. Das ist kein rhetorischer Taschenspielertrick, kein billiger Empörungshascher, das ist analystische Wahrscheinlichkeitsrechnung. Eine Welt, in der die Gesellschaft in höchstem Maße verunsichert mit Informationen umgeht, nichts mehr wirklich glauben will, weil sie doch täglich angelogen werde; eine Welt in der ein hoher Frust existiert, ein breit gestreutes Gefühl, dass man nicht genug sei. Zu dick, zu arm, zu ungenügend. Eine Gesellschaft in der die Branche, die sich darauf spezialisiert hat, Menschen zu beeinflussen und Bedürfnisse zu schaffen oder umzulenken beim Zusammenbruch der Gesellschaft immer noch denkt, sie sei selbst nicht daran beteiligt. “Wir sind doch nur wie Anwälte“, schrieb uns der Chef einer großen Werbeagentur. Nein, ihr seid Söldner, ihr habt keine Verfassung, kein Grundgesetz der Kommunikation, das sicherstellt, dass ihr die Gesellschaft nicht auseinander reisst.

Liebe Werber*innen, denkt nicht an euren einzelnen kleinen Radius an Einfluss. Überlegt, was es mit einer Gesellschaft macht, wenn eine ganze Branche ein Grundmotiv, eine Haltung so massenhaft auf die Menschen loslässt. Tag für Tag, auf allen Kanälen: du brauchst mehr Dinge, um jemand zu sein. Ach was, korrupte Bank oder betrügerische Autohersteller: ihr macht sie wieder gut, ehrlich und erfolgreich. Wir wollen geiler, schöner und reicher sein. Wir kaufen und fressen was das Zeug hält. Immer neues, immer fresheres, bis alle Ressourcen der Welt ausgelaugt sind – Hauptsache mein Nachbar sieht, dass ich Guacamolecreme im Gesicht habe. Es sickert in die Köpfe der Menschen, dass alles, was behauptet wird, eh kein Mensch mehr glauben muss. Das sind doch alles nur Fake News, das ist PR. Und wenn man nicht die Wahl hat, weil man es sich nicht leisten kann, setzt die Wut ein. Da sucht man sich lieber eine Alternative zu Deutschland.

Aber auch der Treueschwur hinter den ihr euch stellt, hat kein Gehalt. Drei große Shitstorms zu Werbekampagnen allein im Februar und März dieses Jahr klingt auffallend wenig nach der vielbeschworenen ethischen Selbstverantwortung in der Werbebranche, nach Codes of Conduct oder den grimmigen Ninjas des Deutschen Werberats. Es klingt nach gezielter Provokation und völliger Ignoranz der eigenen gesellschaftlichen und politischen Verantwortung – in einer modernen Werbeindustrie, die am Ende des Tages doch wieder maximale emotionale Disruptionen belohnt und fördert. Die ethische Auseinandersetzung, die also schon stattfinden soll, ist weder für Außenstehende, noch für die vielen Werber*innen, die sich durch diese Kampagne schon bei uns gemeldet haben, nachvollziehbar.

Dabei seid ihr in Schlüsselpositionen. Ihr seid regelmäßig mit Entscheidungsträgern großer Unternehmen in einem Raum. Jetzt müsst ihr, das erwähnt der Kollege Heimann, denen tatsächlich nachhaltige Ansätze rein rammen, statt die Marken wahlweise grün- oder weißzuwaschen. Hier zum Unterschied: Nachhaltig und vertrauensfördernd wäre, wenn Rewe auf allen Ebenen Lobbyarbeit für ein Gesetz zur Menschenrechtlichen Selbstverpflichtung macht, damit man da im Wettbewerb gegen Discounter nicht untergeht. Whitewashing ist, wenn von Selbstverpflichtung gesprochen, und Plakate mit regionalen Tomaten ausgehängt werden.

Die Zeit der 80ger Jahre Werbeagenturen ist vorbei, und das wisst ihr auch. Der radikale gesellschaftliche Wandel tönt im Martinshorn und das Vakuum der Antworten wird momentan von rechtsaußen gefüllt. Überlasst den Gegenwind nicht den Campaigner*innen von Greenpeace, Oxfam und Amnesty International. Übernehmt Verantwortung. Schafft Narrativen des Vertrauens und des gesellschaftlichen Kits. Kämpft gegen den Klimawandel, kämpft gegen die Nazis. Tragt den Protest in eure Agenturen, anstatt die Agentur zu wechseln. Verbündet euch mit euren Kolleg*innen, konfrontiert eure Vorgesetzten, hinterfragt eure Kund*innen. Nutzt eure Position und euer Privileg. Werdet unbequem. Und wenn alles nicht hilft: habt Mut zu Sabotage. Denn die nächste Greenwashingkampagne von Nestlé zu sabotieren, kann vielleicht als Akt von Illoyalität dem Team gegenüber verstanden werden. Dem Rest der Menschheit gegenüber muss es als Akt der Loyalität verstanden werden.

Liebevoll,
Euer Peng Kollektiv

Die neue Urgenz.

Rede zum Kongress „Zukuft des Tanzes“ des Dachverband Tanz Deutschland e.V
von Jean Peters am 21. September in Essen

Wie soziale Bewegungen und Tanz heute gemeinsam gedacht werden könnten.

Wer sind wir heute eigentlich? Ich meine das nicht esoterisch oder pseudophilosophisch, sondern ganz konkret: von wem sprechen wir eigentlich, wenn wir uns selbst identifizieren? Wir haben von der Schule an gelernt, Noten zu bekommen, die an einen Namen gebunden werden. Dazu gibt es noch Pässe, die uns identifizieren. Aber wo bleibt der Körper? Für ein Portrait reicht meistens ein Kopf, der Rest wird abgetrennt. Und so laufen wir durch die Welt, mit Namen und Kopf und bekommen Loorbeeren für Worte, für Unterschriften, die wir als Verantwortliche von Projekten gemacht haben, manchmal auch wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort war… Es sind immer isolierte Handlungen, und auch unsere Körperteile werden isoliert behandelt.

Vor etwa 15 Jahren las ich einen Artikel einer Journalistin, die in einem fernen Land war, und von ihrem Abschied berichtete. Sie bedankte sich bei ihrem Gastgeber, und wollte ihm zum Dank ein Portrait schenken. Sie gab ihm also ein Foto von seinem Kopf und sagte: “schau, hier ist zum Dank ein schönes Bild von dir”. Das stand nicht im Artikel aber ich schätze mal, dass eine Übersetzer*in dabei war. Der Gastgeber schaute auf das Bild uns sagte: “das bin nicht ich.” Die Journalistin, die eigentlich stolz auf ihre Fotografischen Fähigkeiten war, bemühte sich ihn nicht zu beleidigen, und redete über ihre Leistung – das gute Licht, dass er gut getroffen sei usw. Er blätterte die anderen Fotos durch und sagte irgendwann: “Da! Das bin ich!” – und auf dem Foto stand er vor seinem Haus, mit seiner Familie, seinem Fahrrad, den Bergen im Hintergrund. „Das bin ich“.

Wenn wir heute Instagram Bilder von unserem ganzen Körper hochladen geht es aber nicht um uns, wie wir sind. Wir sind gar einen Schritt weiter: wir haben uns von unseren Körpern isoliert und inszenieren uns, oder die Populärjugendlichen unter uns zumindest, mit Körpern und Marken und Lifestiles die wir eigentlich gar nicht haben. Oder die vermutlich irrelevant sind – Cappuchinos auf Holztafeln, weite Horizonte und Sonnenuntergänge – all das ist einfach eine zwingende Geschichtserzählung unserer Wannabe-Ichs mit der wir versuchen im Identitätsstrom zu überleben.

So, aber wir sind ja hier wegen der „Zukunft des Tanzes“.

Wenn ich nun über die Zukunft nachdenken soll, überlege ich erst mal wo wir sind. Die Postmoderne, in der wir lernten, dass es mehrere Wahrheiten gibt, wird gerade von einer „postfaktischen“ Zeit abgelöst, in der wir lernen, dass es nur verschiedene Lügen gibt. Dazu steuern wir vermutlich von einer kapitalistischen Demokratie auf einen faschistischen Kapitalismus zu.

Wenn ich über Tanz nachdenken soll, sehe ich sofort einen Widerspruch zu dem, was ich eben zu isolierten Handlungen und Körperteilen sagte: Wenn Tanz was kann, dann eine hochsensible Verbindung von Körper im Raum zu schaffen, jede Isolierung zu durchbrechen, Bewegungen kollektiv zu denken.

Die Zukunft des Tanzes also..

Von „Zukunft“ zu reden, das fällt mir immer schwer. Bin ja kein Prophet oder sowas perverses. Schauen wir erst mal auf Trends: wir sehen eine aufkommende Rechte, weiterentwickelnde Technologien, und ein Aufweichen der Grund- und Bürgerrechte, also eine Ausweitung juristischer Möglichkeiten zur staatlichen Kontrolle. Das greift alles ganz gut ineinander und zerstört unsere Demokratie an ihren Grundfesten.

Wenn wir das Körperliche also nun etwas Harraway-mäßig erweitert denken und die technologischen Erweiterungen, mitdenken, dann sind unsere Körper nun ja auch ganz anders verbunden, sind an vielen Orten zugleich präsent. Solche Gedanken hattet ihr hier sicher schon oft, dieses ganze “denken wir Raum und Körper als an vielen Orten Gleichzeitig etc”

Was ich nun bei dieser Perspektive spannend finde sind zweierlei: Wie überträgt man die selbe direkte Empathiefähigkeit von zehn Tänzerinnen im Raum auf die technologisch verbundenen Körper in physischen und virtuellen Räumen? Also dieses Flirren, diese eleganten Bewegungen, die sich im Kollektiv auslösen?

Holen wir dazu Nerds in die Tanzensembles – Menschen, die ganz andere Sensoren haben. Die gelernt haben, über Bildschirme Empathie-“Workarounds” zu schaffen. Emojis. Plingen und vibrieren in den Hosentaschen an tausend Orten gleichzeitig. Das muss Teil der Tanz Ausbildung werden: wie bekommt man ein Gespür für den erweiterten technologischen Körper? Wie kann man ihn bedienen?

Wenn wir mit Peng etwas starten, spüre ich mittlerweile sehr schnell, wie sich die Gegner*innen online gegen uns reiben, um bei Choreographien als Metapher zu bleiben. Sich mit dem Rücken zu uns drehen gegen uns stemmen oder mit offener Präzision und offenem Visier auf uns zurennen und uns anschreien. Ich kann den Einfluss eines CDU-Ortsverbandes sehen, wenn der sich zu Wort meldet, der Polizei wenn sie nun immer mehr politisch mit-twittert, … all derjenigen, die Social Media Kanäle befeuern. Das ist ein spannender Raum, und die Bewegungen ändern sich.

Lasst uns das jetzt, wenn nicht in eine Zukunft, denn doch in eine erhoffte Zukunft heben. Eine Zukunft in der wir alle gut und gerne leben sozusagen, wir sind ja immer noch bei der Bundeskulturstiftung von Monika Grütters, nicht wahr?

Ich sehe ein paar klare räumliche Momente, in denen aus einer AfD und Pegida Demo heraus getanzt werden kann. Also von faschistischen und gewalt- und Hass erfüllten Bewegungen langsam die kollektive Körperlichkeit zu einem freudigen und Offenen zu bewegen. Das geht vermutlich nur mit etwa 400-500 Tänzer*innen, die alle mitmachen, gleichzeitig, und das ist ein riesiges Experiment. Aber hey, vielleicht können wir da ja was schönes draus werden lassen.

Oder Abschiebeflieger. Das ist einfach. Wie schaffen wir es, von einem Körperkollektiv von ca. 200 Passagieren, die alle wegschauen, die direkt verbinden sind mit 80 Millionen Deutschen, die alle wegschauen, dieses kleine Flugzeug zu einer erweiterten Bühne, wo alle hinschauen zu tanzen?

Eine Bundestagssitzung zu biometrischen Daten wo sie nochmal drüber abstimmen, wie totaler man uns überwachen kann. Da hängen auch noch diese tollen Spiegel über deren Köpfe, mit denen man spielen kann. Nackt-Sein ist im Tanz ja nun nichts provokatives mehr – wenn also alle nackt auf dieser Wendeltreppe in der Glaskuppel tanzen und sich in den Plenarsaal spiegeln, und wir dann noch die Online-Reaktionen Choreographien – mit Voraussehbarkeit der Reaktionen der einzelnen Fraktionen. Das ist doch schön.

Aber auch raus aus den Räumen der Privilegierten, klar, nicht mehr die betanzen, die eh mit Geld und Erfolg gepimpert sind – können wir hin, wenn Kultur nicht mehr subventioniert wird, oder nur noch Heimatkultur. Betanzen wir die Orte der Macht: Arbeitsämter, wo oftmals schlecht ausgebildete Beamte gegen die Prekärsten aufgestellt sind; treten wir als Tänzer*innen alle zusammen bei einer Catering Firma auf, die eine Waffenhändler*innenmesse oder den nächsten EU Polizeikongress bespielen mag und bereiten dort einen Tanz vor, der alle Sicherheitseinschränkungen durchbricht.

Die Buzzwords der Antragsliteratur waren ja vor zehn Jahren “Authentizität”, dann “Immersion”, jetzt glaube ich “Relevanz”. Ich habe nach einem nächsten gesucht, die die Dringlichkeit beschreibt, mit der wir nun nicht wegschauen dürfen. Mit der wir uns alle am Rechtsruck beteiligen, wenn wir uns nicht politisch einmischen. Vielleicht so was wie Urgenz?

Ja, ich fände es ganz schön, wenn wir einen neuen Raum denken können und eine neue Körperlichkeit, und – dafür bin ich von Peng – denke ich das auch sozial und politisch. Das zu betanzen, was uns direkt berührt: für ein Europa, in dem wir gut und gerne leben eben.

Rede zum George Tabori Preis 2018

Hallo zusammen,

Vielen Dank für die Einladung.

Okay, ich werde hier nun dafür argumentieren, dass mehr politische Gruppen in der Kunst- und Kulturbranche Asyl bekommen sollten. Das ist heikel, da Kunst meist per se als befreit von Verwertbarkeitszwängen gedacht wird und als einer der letzten Zufluchtsorte für so was in einer durch kalkulierten und effizienzorientierten Welt gilt (was ja angesichts der Aufgaben von Ticketverkauf und oder des Statuserhalts der oberen sozialen Schichten nicht immer der Fall ist, aber an sich ist das schon wichtig). Und das Hauptargument ist, dass wir mit vielen sozialen, humanitären, ökologischen und politischen Krisen konfrontiert sind, zugleich die progressive politische Zivilgesellschaft eine Verengung der Einflussräume erlebt, und daher die Möglichkeiten der Kunst- und Kulturbranche im Gegenseitigen Interesse zur Verfügung gestellt werden sollten. Sollte diese Rede also etwas zu verschwurbelt erscheinen oder ihr euch denkt „das mach ich doch eh, alter, das musst du mir nicht erzählen“, wisst ihr hinterher zumindest worum es im Groben ging. Also:

Kennt ihr den Moment, in dem ein Kind voller Elan losrennt, hin fällt, und schreit was das Zeug hält? Zehn Minuten später geht es weiter, hüpft, spielt, es gibt was neues zu entdecken. Das ist eine der entscheidenden Qualitäten, die Kinder brauchen, um spielen zu können, um sich in Träume zu verwickeln und die Realität zu überprüfen. Erwachsene schreien ganz anders. Würden wir Erwachsene sehen, die plötzlich so schreien wie ein kleines Kind, würden wir uns wundern, ob die Welt nun jeden Moment untergeht. Und doch wundere ich mich gerade, wo unsere Welt wie wir die kennen, unterzugehen scheint, warum so wenig geschrienen wird, warum wir dieses direkte zur Wehr setzen gegen den Schmerz des Aufpralls nicht doch in die Erwachsenenwelt übertragen können.

Wir wollten doch auch alle noch in eine Welt hineinwachsen, wollten sie mitgestalten, so dass sie glitzert und mit Liebe vollgepumpt wird, alle ein bisschen anerkannt werden können. Spielen, tanzen, was Sinnvolles zu tun haben. Das wollen wir doch oder? Wir wollen doch eigentlich keine mentalen Gated Communities bilden, in denen wir mit ausgeklügelten Methoden sozialer Kontrolle darauf achten, dass wir, unsere Familie, unser links-liberaler Freundeskreis, unser Deutschland oder unser Europa, wenn das nicht geht dann halt doch nur unser Netzwerk, unsere Familie, als Letztes untergeht.

Aber gerade zerbricht so Vieles. Spätestens seit dem Fall von Lehman Brothers 2008, als die Finanzkrise eingeläutet wurde, wurden die Fenster für historische Alternativen breit aufgerissen – aber keiner traute sich wirklich da durch zu klettern und einen radikalen Wandel ein zu läuten. Es wurde verhandelt und gemahnt, ein paar wenige verantwortliche Köpfe rollten, wir dachten mal kurz darüber nach, ob Banken 20% Eigenkapital halten sollten (was das System erheblich stabilisieren würde) aber insgesamt begann eher eine Art orientierungsloser Schwebezustand. Wir haben nun zehn Jahre lang fleißig wiederholt, dass wir ja alle ganz schön in der Scheisse sitzen. Ganz schöne scheisse ist das, und der ewige Wachstum nenee, das ist doch unlogisch, das geht so nicht weiter. Und jetzt, die lauten und klaren Alternativen, die aus diesem verfaulten vor sich hin blubbernden Diskurs wachsen, sind eine grässlicher als die andere. Und ich denke da genauso an marktradikale Macrons wie an die Neonationalist*innen.

Das erschreckende daran ist, finde ich, dass wir die Analysen seit Jahrzehnten vorliegen haben, es fehlen schlicht die Strategien.

Der neue Faschismus der uns entgegen schwappt ist nämlich nicht zuletzt eben eine Strategie, eine bindende Erzählung die die Lücken schließt, die aufgerissen wurden. Es ist auch eine Reaktion auf die radikale Zerstörung der Welt, die wir alle erleben und an der wir alle etwas schüchtern, etwas hilflos den unbeteiligten Blick üben. Mir wurde vor kurzem erklärt, dass Haie vier Massenaussterben überlebt haben, 400 Millionen Jahre, die haben die fucking Dinosaurier überlebt – und dass wir Menschen die dann innerhalb von 40 Jahren auf 20% ihres Bestandes dezimiert haben? Und warum? Weil wir Haifischflossensuppe zu nem ganz guten Preis verkaufen konnten. Weiter nichts. Wirklich: nichts. Und so betreiben wir mit voller Energie die Haifischflossensuppisierung der Welt. Ähnliche Muster sehen wir in der Autoindustrie, in der Kohleindustrie und irgendwie auch in der neuen technologischen Entwicklung von Grenzregimes. Wir wissen es besser, doch kaum jemand sabotiert die Bagger in den Kohlegruben, kaum jemand sabotiert die Frontex-Boote, kaum jemand schneidet die Strommasten vor den Panzerhallen von Rheinmetall durch oder stoppt die Marineboote von Thyssen Krupp.

Uns ist da eine Ethik abhanden gekommen. Oder, sie ist nicht abhanden gekommen, aber so was wie die Oma in der Familie, die wir ja noch pflegen und lieb haben und die immer einen Weisen Rat parat hat, aber die nun mal den Alltag nicht bestimmt. Und plötzlich merken wir, dass uns die Welt, wie wir sie kannten, abhanden gekommen ist.

Wenn wir in den kommenden zwei bis fünf Jahren nicht global und allgemeingültig Alternativen zum unendlichen Wirtschaftswachstum durchsetzen und die schädlichen Industriezweige in nachhaltige und menschenfreundliche Bereiche konvertieren, sind Bewegungen wie die AfD und die Identitären nur ein Symptom.

Genauso wie die steigende Anzahl resistenter Bakterien ein Symptom sind, weil wir weiter massenhaft Tiere mit Antibiotika vollpumpen um billiges Hackfleisch zu kaufen. Das sind Symptome, einer Welt die es besser wüsste aber einfach weiter macht.

Ihr merkt, ich bin da tatsächlich wütend und verzweifelt und ich kann‘s verstehen, wenn ihr euch jetzt auch denkt mein Gott hör auf mit dieser Betroffenheit, wir wissen das doch alle. Ich denke aber wir müssen dringend darüber reden, wie wir mit einer kommenden Massenresignation umgehen werden, mit einer Generation, die nicht auf ihre Eltern schauen, und Hoffnung im Entschluss finden kann, es anders machen zu können – einfach weil es geht – sondern eine Generation, die vor irreversiblen Schäden steht. Meine Großmutter erzählte mir wie die linke Bewegung in den 60ger Jahren vor Optimismus nur so protzte, was nach einem solchen Zivilisationsbruch schon beachtlich war. Aber was, wenn ein solcher Optimismus, aus der Geschichte lernen zu können, von den Fakten irreversibler ökologischer Zerstörung eingefangen wird? Welchen Resonanzraum kann die nächste Generation dann noch haben, außer sich in mentalen Protektionismus zu fliehen oder nach starken Männern zu suchen?

So, und jetzt sind wir hier angekommen. Also fast. Ich glaube die Kunst- und Kulturförderung spielt hier eine wichtige Rolle. Was wir nämlich momentan in der NGO Szene beobachten sind die sogenannten „Shrinking Spaces“, also die Eindämmung von Einflussmöglichkeiten genuin politischer Akteur*innen, die weder staatlich, noch wirtschaftlich getragen werden. Staatliche Repression, politischer Einfluss durch die verschiedenen Bill Gates Stiftungen und gleichzeitige Abhängigkeit von Drittmitteln, teilweise auch regelrechte Kampagnen zur Delegitimierung von NGOs durch Murdochs und Orbans engen den Raum politischer Handlungsfähigkeit immer weiter ein. Wir kennen das der Kultur auch, prekäre Arbeitsbedingungen sind hier leider Alltag, da gibt es starke strukturelle Überschneidungen, die Jagt auf Haifischflossen hat viele Gesichter und unser Bestand wird immer weiter dezimiert.

Also, zusammengefasst gehe ich davon aus, dass politisch Arbeit momentan nicht nur immer wichtiger wird, ihr fehlen auch die richtigen Strategien und sie hat immer weniger Handlungsraum.

Ihr müsst wissen, als Peng Kollektiv kommen wir zum großen Teil aus den sozialen Bewegungen, aus der direkten Aktion, also quasi noch schlimmer als die „linksgrün-versifften“, und wir wurden sehr herzlich in der Welt der Kunst- und Kulturproduktion aufgenommen. Ich habe aber am Rande immer wieder auch Stimmen gehört, wenn wir auf Podien oder Veranstaltungen eingeladen wurden, denen es wichtig war, sich zu distanzieren: „das sind doch keine Künstler*innen, das sind doch Aktivist*innen“. Ich finde das voll in Ordnung und will hier auch nicht über den Kunstbegriff streiten. Das interessante ist, dass zivilgesellschaftliche, also genuin politische Organisationen und Stiftungen uns oft beratend einladen aber selten fördern mag. Deutschland findet zivilen Ungehorsam anscheinend eher ästhetisch interessant.

Aber was ich mit Peng immer gespürt habe, ist eine soziale Verantwortung, das juristische Privileg der Kunstfreiheit nutzen zu müssen. Wenn immer weniger Raum für die Entwicklung politischer Alternativen und Strategien zur gesellschaftlichen Mobilisierung existieren, dann möchte ich hier jaulen und flehend bitten: öffnet die Pforten für Aktivist*innen, gebt ihnen künstlerischen Asyl, damit sie von hier aus, mit dem Schutz der Kunstfreiheit, mit den offenen Denkräumen, den gut organisierten Produktionsleiter*innen und inspirierenden Narzist*innen und bunten Vögeln kämpfen können. Ich denke da vor allem an unsere Freunde aus der Türkei, aus Thailand, aus Nigeria, Ghana, dem Libanon oder Syrien, all den Ländern wo es wirklich eng wird. Wobei ich Deutschland von politischer Repression nicht freisprechen will – ich hatte selbst schon drei politische Hausdurchsuchungen und massenweise Morddrohnungen.

Die Kunstszene bietet so viele Ressourcen – Ideen und Sprache zu visualisieren, Beziehungen performativ erlebbar zu machen, Ideologien in ihrer Brüchigkeit unwiderstehlich und doch tödlich spürbar zu machen – das sind Fachkräfte, die für eine soziale Bewegungen super wertvoll sind, die gerade wirklich dringend Unterstützung braucht.

Und ich meine das alles gesamtgesellschaftlich, ne? Wir haben alle viel zu tun, das ist mir schon klar.

Kennt ihr diese Diskussion um die Singularität, dem Moment wo künstliche Intelligenz sich aus sich selbst heraus weiter entwickelt und wir als Menschen die Kontrolle über empathielose Maschinen verloren haben und wir dann nur noch unterdrückt und ausgenutzt werden, so wie wir selbst auch mit Affen und Kühen umgehen? Ganz Silicon Valley debattiert darüber, wann das wohl eintritt. Ich glaube der Moment ist schon längst eingetreten, als wir entschieden haben, dass Unternehmen juristisch mit Personen gleichgestellt werden. Im Prinzip ist strukturell genau das passiert, wovor bei der technologischen Singularitätstheorie gewarnt wird.

Und hey, das ist doch ein Punkt, den können wir vielleicht im Gegensatz zur steigenden Erderwärmung oder den Haifischbeständen noch revidieren! Das wäre doch ein erster Hoffnungsschimmer für unsere kommende Generation. Geben wir ihnen Kulturförderungen, ich erwarte dann auch die Buzzwords von Utopien, Immersionen, Authentizitäten oder Möglichkeitsräume in ihren Förderungsanträgen – wenn sie es schaffen, dass alle Mitarbeiter*innen eines Unternehmen in Zukunft für Missetaten verantwortlich sind, so wie die Fluchtfahrer*innen bei Banküberfällen, dann entsteht garantiert eine ganz andere soziale Dynamik. Mit voller Kraft, Inszenierungen in dieser wunderschönen Kuppel des Bundestags, gespiegelt in den Plenarsaal, wochenlang. Im EU Parlament, in allen Zeitungen, die jungen wilden – wenn so was abstraktes wie die Liebe hoch und runter inszeniert werden kann, dann schaffen wir doch auch die Abschaffung der juristischen Gleichsetzung von Unternehmen in die Realität zu pflanzen, so dass es jede versteht, oder? Und ganz ehrlich, dann soll das auch Kunst heißen – oder soziales Design oder politisches Handwerk, das ist mir dann egal.

Nehmen wir die kommende EU-Wahl als Beispiel – das wird ein Spektakel der Titanen sein – marktradikale und konservativ-liberale gegen nationalistische Kräfte aus Italien und der europäischen Alt-Right Bewegung. Nutzt es als Theaterraum! Bringt die subalternen Stimmen zu neuem Glanz und einlullender Attraktivität! Das könnt ihr doch, oder?

George Tabori hatte die Gabe, sehr verspielt, sehr liebevoll zu arbeiten, wie ich gehört habe. Er brachte Mozarts Zauberflöte in ein Zirkuszelt – eine so erhabene Operngesellschaft in einem ganz neuen Kontext. Er hatte eine feine Gabe, mit einer einladenden, humorvollen und liebevollen Art Regeln zu brechen, und uns dazu einzuladen, mitzumachen. Davon brauchen wir mehr, und zusammen mit der Oma, die an soziale Gerechtigkeit erinnert und dem kleinen forschenden Kind in uns, können wir uns auch trauen, den Kulturraum für das völlig verrückte und verträumte aber – und das ist mir wichtig – realpolitische Spiel zu öffnen. Lasst uns losrennen, hinfallen, los brüllen – und dann weiter rennen.

Vielen Dank.

Lieber Herbert Kickl,

Die Demokratie und du, das ist so ein Ding, wa?

Du hast kürzlich den österreichischen Verfassungsschutz BVT durchsuchen lassen, weil sie Nordkoreanische Passrohlinge an Südkorea verkauften und Daten speicherten, die sie nicht speichern sollten. Erstmal props, dass du nen Verfassungsschutz durchsuchen lässt, die sind eh meist nicht ganz sauber (weshalb wir ja auch mal Aussteigerverein https://intelexit.org gegründet haben).

Aber es scheint so, als ginge es dir hier nicht um potenziellen Antisemitismus beim BVT, denn du hast deinen offen rassistischen Kumpel Wolfgang Preiszler mit seiner Einsatztruppe zur Bekämpfung von Straßenkriminalität vorbei geschickt, der auch – huch – die Festplatten der Rechtsextremismusexpertin Sibylle Geißler mitgenommen hat. Das scheint dir nicht ganz kosher zu sein, wenn man im FPÖ-nahen braunen Sumpf fischt, wa?

Aber du willst auch auf Nummer sicher gehen und am Donnerstag das Überwachungspaket durchpeitschen – Staatstrojaner, Videoüberwachung und IMSI-Catcher, Briefgeheimnis einschränken etc etc – wo du lieber mit der Axt an die Fundamente der Demokratie ansetzt, falls du bald selbst abgesägt wirst.

Aber wir sind zu Besuch in Österreich, und haben daher vorsorglich PGP Schlüssel für alle Mitglieder von Nationalrat und Bundesrat erstellt und auf den pgp.mit.edu Server und https://gvkeys.at hochgeladen. Auch deinen!

Um in Zukunft deine Emails entschlüsseln zu können musst du nur den privaten Schlüssel abholen kommen, in der Dezernatsabteilung für Emailverschlüsselungsangelegenheiten, Ausgabesektion der privaten PGP-Schlüssel für Parlamentarier/innen, Museumsplatz 1, 1070 Wien, zu folgenden Behördenzeiten:

4. April 2018: 11-12 Uhr, 15.30-16.30 Uhr
5. April 2018: 9-10 Uhr, 11-12 Uhr, 15-16 Uhr
6. April 2018: 10-12 Uhr

Und weil die so schön sind, haben wir sie auch noch auf Leinwände gedruckt, drei Stück: von dir, Sobotka, und Van der Bellen. Sie hängen im Q21 vom MuseumsQuartier Wien, und ab dem 13.4. um 19 Uhr auch in der Galerie modulart.

Mit dem Geld, was für deinen Schlüssel auf Respekt.net gespendet wird, finanzieren wir das ganze Projekt und geben die Hälfte an epicenter.works, die alles in Bewegung setzen, um dein Gesetzesvorhaben zu kippen. Und seien wir ehrlich, auch dich.

Wenn du Demokratie nutzen willst, um die abzuschaffen, finden wir das scheiße. Also lass es einfach besser. Tritt zurück.

Alles Liebe,

Peng.

PS: wenn du selbst gegen dich spenden magst hier lang.

Super Secret Campaign Launch

Wir launchen mit dir unsere nächste Kampagne. Am Mittwoch, den 28. Februar stoßen wir gemeinsam im Franziskaner an – der glamourösesten Bar Kreuzbergs!

Zieh deinen fabelhaftesten Hut an, polier deine Schuhe, pimp deine Haare und pack dein Gehirn ein, denn dies ist die Nacht der Nächte. Die wohl wichtigste und gefährlichste Peng-Kampagne wird hier beginnen. Das kann die Welt für immer verändern. Oder einfach im Universum untergehen, wie ein Glas warme Pisse, die uns die Kehle runter rinnt. Es liegt an dir!

Das Franziskaner ist in der Dresdener Straße 17, 10999 Berlin

Wir beginnen um 20 Uhr, am 28. Februar

Und props ans Franziskaner! Sie sponsoren Peng, wir sponsern ihre Fußballmannschaft und heute Abend werden stoßen wir alle an!

Das Ministerium für Arbeit sagt Sorry für seine menschenunwürdige Arbeitsmarktpolitik

Dieser Blogpost ist über Deutschland sagt Sorry.